6. Tag
Villefort - Vallon Pont-d'Arc
80,3 km 497 hm



Die Eindruecke der Tour verschwimmen langsam, wieder fahre ich durch eine Schlucht, diesmal durch die Gorges de Chassezac. Eine ziemlich verlassenen Gegend, aber wieder einmal eine wunderschoene Strasse durch eine wild zerklueftete Landschaft. Ich komme an diversen kleinen Wasserkraftwerken und Stauseen vorbei und auch hier begegnen einem wieder die in den Cevennen allgegenwärtigen Kastanienbäume. Die Kastanien sind reif und liegen auf der Straße - ich kann aber nirgendwo erkennen, ob die früher in dieser Gegend so wertfüllen Früchte heute noch verarbeitet werden. Die Landschaft ist wunderschön, einsame Höfe, verlassenen Ruinen und eine kleine Strasse, die sich wieder einmal völlig verkehrsarm an der Chassezac entlangschlängelt. Es geht immer leicht bergab, das Rad rollt fast von alleine und ich genieße.....

Es ist eine wilde Gegend, das merke ich erst richtig, als ich in les Vans ankomme. Die Landschaft wird flacher und lieblicher und ist staerker zersiedelt. Handwerk und Industrie sind deutlich zu spueren. Die Strasse nach Joyeuse nervt mich schon nach kurzer Zeit - ich bin es einfach nicht mehr gewohnt, dass mich haeufiger Autos ueberholen. Ich waehle die erste moegliche Abzweigung, die in meiner Karte weiß eingezeichnete D 452 soll mich nach Casteljau bringen. Die Strasse ist in einem katastrophalen Zustand, Zentimeter dicker Rollsplit lassen ein vernuenftiges Rollen nicht zu. Allerdings geht die Strasse so steil nach oben, dass ein vernuenftiges Rollen eh nicht moeglich ist. Mein Tacho zeigt eine Steigung von 11% an, soviel Prozent hatte ich mir mit Gepaeck eigentlich gar nicht zugetraut. Und die Sonne, die ich am Morgen in Villefort noch gesucht und genossen hatte bei Temperaturen um 13 Grad, knallt hier in der Ebene bei 30 Grad wieder unbarmherzig auf meinen Kopf. Doch gluecklicherweise ist der "Berg" nur ca. 150 Hoehenmeter groß und damit irgendwann ueberwunden. Es geht wieder bergab und wieder zu einer Gorges. Das Fluesschen Chassezac begleitet mich weiter und hat hier eine kleine, aber durchaus ansehnliche Schneise gegraben. Es geht dann weiter mehr oder weniger nahe an der Chassezac entlang durch eine huegelige Weinlandschaft mit kleinen Orten - nett, aber mir nach den Eindruecken in der schroffen Bergwelt der Cevennen zu lieblich und schick.

Ab Ruoms begleite ich die Ardeche bis Vallon Pont-d'Arc. Hier ist die touristische Saison noch nicht zu Ende, was sich leider auch in einem erhoehten Verkehrsaufkommen widerspiegelt. Ich bin relativ frueh in Vallon Pont-d'Arc und ueberlege kurz, ob ich die Gorges de L'Ardeche nicht heute schon abfahren soll. Allerdings schmerzt mein Hintern doch ziemlich und angesichts von mehr als 30 Kilometer bis St. Martin d'Ardeche beschließe ich, den Tag doch in Vallon Pont-d'Arc zu beenden.

Der Campingplatz ist gut gefuellt, ein ungewohnter Anblick angesichts der relativen Leere auf den Plaetzen vorher. Ich treffe einen fast zahnlosen Belgier, der mit einem aelteren Fahrrad und "bezahlt von meiner Krankenkasse" eine Tour de France mit ueber 5000 Kilometern abfaehrt. Seine geplante Strecke hat er auf kleinen DIN A 6 Zetteln aufgeschrieben - Straßenkarten besitzt er keine - ich kaeme mit seinem System keine 20 km weit, ohne mich hoffnungslos zu verfahren. Doch bisher hatte er wohl keine groeßeren Probleme, seine heutige Tour ging ca. 150 km von Sault nach Bedoin, von dort auf den Mont Ventoux und dann durch das Rhonetal und an der Ardeche entlang nach Vallon - Respekt.









Oberlauf der Chassezac


kleine Gorges bei Casteljau


Ruoms an der Ardeche


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