1. Tag
Avignon - St Hippolyte du Fort
106 km 809 Hm



Nach einer gewissen Verzoegerung an der letzten Raststaette (einige Reisende ziehen ein reichhaltiges Fruehstueck der zuegigen Weiterfahrt vor) kommen wir leicht verspaetet in Avignon an. Ich ueberlege kurz, ob ich nicht wie ein Mitreisender nach Uzès weiterfahren soll (das Ziel der organisierten Gruppenfahrt), verzichte aber dann darauf in der stillen Hoffnung, evtl. einen Mitreisenden fuer die ersten Kilometer zu finden. Dieser Wunsch erfuellt sich nicht und so mache ich mich alleine auf den Weg nach Pont du Gard.

Mein Sattel aechzt und knarzt dermaßen, dass ich befuerchte, innerhalb der naechsten 2 Stunden aufgrund eines Sattelbruchs schwungvoll vom Rad zu fallen. Außerdem hat sich der Magnet meines Tachos geloest und gibt seine Funktion immer wieder auf. Ich beschließe, eine Reparaturpause einzulegen - der Tachomagnet ist schnell wieder justiert, der Sattel macht aber weiterhin einen Krach, der in manchen Gegenden wahrscheinlich als Geraeuschbelaestigung zu strafverfolgenden Maßnahmen fuehren wuerde. Doch alle Versuche, den Krach zu vermindern oder gar zu beseitigen, kosten nur Zeit und bringen keinen nennenswerten Erfolg. Ich beschließe schließlich, die 2 Stunden bis zum voraussichtlichen Sattelbruch zu genießen und fahre weiter.

Die Gegend ist nett, aber nicht sonderlich spektakulaer, lediglich der doch ziemlich stark wehende Wind (wir sind ja im Rhone-Tal) sorgt anfangs fuer Vergnuegen. Das aendert sich aber aufgrund eines Richtungswechsels abrupt - jetzt ist Gegenwindstrampeln angesagt und das bedeutet zunehmend Verdruss.

In Remoulins decke ich mich mit meinen ersten Croissants und Baguette ein. Angesichts des geplanten morgigen Programms (Mont Aigoual) beschließe ich, auf die eigentlich obligatorische Besichtigung der Pont du Gard zu verzichten - immerhin habe ich bei meiner letzten Tour einen halben Tag an dem Aquaedukt aufgehalten.

In Uzés will ich eigentlich im Ort einen Café trinken, verpasse aber die Abzweigung ins Zentrum. Die Umgehungsstrasse fuehrt zu einem Pont d'eau, an dem ich meine Trinkflaschen auffuelle und die Abzweigung Richtung Moussac finde. Das ist auch bitter noetig, denn die Hauptstrasse zwischen Pont du Gard und Uzés ist aufgrund des doch heftigen Verkehrs nicht besonders erholsam (Inzwischen habe ich erfahren, dass es zwischen den beiden Orten wohl einen schoenen Radweg gibt)

Ab jetzt wird der Verkehr ruhiger und der Wind hat auch spuerbar nachgelassen. Ich wundere mich etwas darueber, dass mein Sattel immer noch nicht gebrochen ist und stelle fest, dass der infernalische Krach auch spuerbar nachgelassen hat. Auf der lauten Strasse vorher war mir das gar nicht aufgefallen - vielleicht werde ich die Tour ja doch ohne Sattelbruch beenden koennen. Ueber viele Huegelchen geht die Strasse Richtung Cevennen. Ich bin ueberrascht von der Hitze (mein Thermometer zeigt ueber 30 Grad an) und bekomme zunehmend Schwierigkeiten. Daher beschließe ich die Etappe nicht wie urspruenglich geplant in Pont d'Herault, sondern knapp 25 km vorher in St Hippolyte zu beenden.

Der von mir anvisierte Campingplatz entpuppt als ziemlich weit abgelegen, zwei freundliche Anwohner weisen mich aber auf einen anderen Platz hin, der wesentlich naeher zum Ortszentrum liegt. Dort angekommen, schmeiße ich mich nach erfolgtem Zeltaufbau erst einmal fuer einige Runden in den platzeigenen Pool, um mich dann im Ort mit der notwendigen Grundausstattung (Oel, Salz) sowie Lebensmittel fuer heute und morgen (Sonntag) auszustatten. Am Abend geht es mir gar nicht gut, meine Beine produzieren Kraempfe ohne Ende (kenn ich eigentlich gar nicht), welche ich aber so gut wie moeglich ignoriere - morgen ist schließlich ein harter Tag......


Avignon



Théziers bei Avignon


Pont du Gard
(Foto alexmuller auf flickr)

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