2. Tag
Am Samstag, 29. Sep 2007
St. Hippolyte du Fort - St. Jean du Bruel
97,6 Km 1409 hm
97,6 Km 1409 hm

Tja , wie soll ich es ausdruecken. Heute habe ich wieder einmal alle Tiefen meines Radfahrer-Ichs ausleben duerfen/muessen.
Zunaechst ging es aber relativ leicht und locker ueber diverse kleine Huegel bis ins ca. 30 km entfernte le Vigan, von wo die Strasse zum Col du Minier abzweigt. Allerdings habe ich mich vorher noch etwas in Ganges verspielt, wo ein lokales Fest mit alten Autos, Fahrraedern und Kutschen stattfindet.
An der Abzweigung zum Col bin ich etwas ueberrascht, dass mein Hoehenmesser eine Starthoehe von unter 200m anzeigt. Das bedeutet, falls das Messgeraet nicht spinnt, einen zu bewaeltigenden Hoehenunterschied von ueber 1000 m - und das Messgeraet spinnt nicht......Und so mache ich mich zu Beginn der gluehenden Mittagshitze auf den Weg nach oben - mit 4 l Wasser, 1 l Milch, 1 l Apfelsaft sowie diversen schweren Lebensmitteln fuer den heutigen Abend - es ist ja Sonntag und die Geschaefte haben geschlossen.
Meine erste neue Erkenntnis aus diesem Urlaub heißt deshalb: Fahre niemals an einem Sonntag in die Berge
Die Steigung ist durchaus moderat und steigt selten einmal auf ueber 6%, aber die Laenge der Steigung (21 km) und vor allem die unbarmherzige Sonne treiben mit meinem Selbstvertrauen ein uebles Spiel. Nach 10 km ueberlege ich ernsthaft umzukehren, aber wohin dann? Ich mache immer wieder Pausen und quaele mich Kilometer fuer Kilometer und Hoehenmeter fuer Hoehenmeter. Die vorher angedachte Stippvisite zum Mont Aigoual ist schon laengst aus dem Programm gestrichen, zu weiteren 300 Hoehenmetern fuehle ich mich nicht mehr in der Lage.
Die Passstraße ist nicht besonders spektakulaer, laesst aber landschaftlich keine Wuensche offen und die vielen moeglichen Ausblicke sind etwas Labsal fuer meinen geschundenen Geist.
Endlich, nach unendlich vielen Pausen und Durchhalteparolen ist der Gipfel erreicht und ich erwarte relativ zuegig die Abzweigung in das Dorf Dourbies. Doch es geht zunaechst einmal zwei, drei Kilometer runter (schoeoeoen) und wieder rauf (nicht schon wieder), bevor das ersehnte Hinweisschild endlich auftaucht.
Die Straße nach Dourbies ist schmal und in einem relativ schlechten Zustand (Rollsplitt), da sie aber nur leicht abfaellt, ist das kein großes Problem, zumal der Verkehr, der schon nicht sehr stark auf der Passstraße war, hier fast gar nicht mehr vorhanden ist. Stattdessen begegnen mir diverse Ziegenherden und vereinzelte Wanderer.
In Dourbies verlasse ich die Hauptstrasse, jetzt begegne ich auf den kommenden 30 Kilometern gerade mal 5 Autos. Leider gibt es zwischenzeitlich immer mal wieder eine kleine, aber fiese Gegensteigung zu bewaeltigen, so dass die Abfahrt mit weiteren Anstrengungen versehen ist. Schließlich komme ich in St. Jean an und verzichte angesichts eines Campingplatzes direkt an der Strasse auf jede Weiterfahrt. Nach dem Essen sinke ich ermattet in den Schlafsack und schlafe voller Selbstzweifel ein......

Aulas am Fuße des Col du Minier



Col du Miner


auf dem Weg nach Dourbies
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